Panische Angst vorm Zahnarzt – und was dagegen hilft, 2. Teil

Panische Angst vorm Zahnarzt – und was dagegen hilft, 2. Teil

Weiße Zähne, ein gesundes Zahnfleisch und kein Mundgeruch sind nicht nur für ein strahlendes Lächeln und eine entspannte Kommunikation mit anderen wichtig. Sie gehören auch zu einem gepflegten Erscheinungsbild unbedingt dazu. Doch was ist, wenn allein der Gedanke an einen Zahnarztbesuch schon panische Angst auslöst?

Der Besuch beim Zahnarzt gehört sicherlich nicht zu den Lieblingsterminen. Schließlich ist es nicht unbedingt angenehm, mit weit geöffnetem Mund auf dem Behandlungsstuhl zu liegen, während der Zahnarzt mit irgendwelchen Geräten zugange ist. Aber regelmäßige Kontrollen müssen nun einmal sein und manchmal lassen sich umfangreichere Behandlungen eben nicht vermeiden.

Ein gewisses Unbehagen oder ein mulmiges Gefühl vorm Zahnarztbesuch ist durchaus normal. Problematisch wird es aber dann, wenn die Angst so groß ist, dass sie in regelrechte Panik umschlägt. Im Fachjargon wird in diesem Fall von einer Dentalphobie gesprochen.

Dentalphobie, also krankhafte Angst vor einer Zahnbehandlung deshalb, weil der Betroffene keine Angst vor dem Zahnarzt als Person hat. Seine panische Angst gilt vielmehr der zahnärztlichen, womöglich schmerzhaften Behandlung. Zu dieser Angst mischt sich das Gefühl der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins. Außerdem schämt sich der Betroffene für seine schlechten Zähne und oft auch für seine panische Angst. Damit beginnt ein Teufelskreis. Denn je schlechter es um die Zähne steht, desto größer wird die Angst vor der Behandlung.

Mit seiner Zahnarztangst ist der Betroffene nicht alleine. Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland rund jeder Achte von einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Dentalphobie betroffen ist. Und die gute Nachricht ist: Die panische Angst vorm Zahnarzt lässt sich überwinden.

In einem zweiteiligen Ratgeber gehen wir der Sache auf den Grund. Dabei haben wir im 1. Teil erklärt, was die Dentalphobie genau ist und welche Ursachen sie haben kann.

Jetzt, im 2. Teil, geben wir Tipps, wie der Angstpatient den richtigen Zahnarzt findet.

 

Das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Zahnarzt ist die Basis

Inzwischen gibt es ein recht umfangreiches Hilfeangebot für Betroffene. Die Palette reicht von Entspannungstechniken und Hypnose über Verhaltenstherapien bis hin zu Medikamenten. Doch so weit muss es nur selten gehen.

Die meisten Angstpatienten können ihre Zahnarztangst allmählich überwinden, wenn sie schrittweise vorgehen und sich selbst nicht zu sehr unter Druck setzen. Entscheidend ist dabei zunächst einmal, dass der Angstpatient den richtigen Zahnarzt findet. Denn Vertrauen zum Zahnarzt ist die Grundlage und die Voraussetzung für einen erfolgreichen Heilungsprozess. Nur: Woran erkennt der Angstpatient, dass er bei dem jeweiligen Zahnarzt in guten Händen ist?

 

Die Suche nach dem richtigen Zahnarzt

Es gibt immer mehr Zahnarztpraxen, die sich auf die Behandlung von Angstpatienten spezialisiert haben. Eine verbindliche Qualifikation, die objektiv überprüfbar ist und auf die sich der Betroffene verlassen kann, gibt es allerdings bislang nicht. Auf der Suche nach seinem Zahnarzt muss sich der Betroffene deshalb auf seinen persönlichen Eindruck verlassen.

Beschreibungen auf der Internetseite der Zahnarztpraxis, Kommentare in Bewertungsportalen oder Empfehlungen aus dem Bekanntenkreis können zwar gute Hinweise liefern. Ob der Betroffene aber ein Vertrauensverhältnis zum jeweiligen Zahnarzt aufbauen kann, kann er nur selbst herausfinden und beurteilen.

Und dabei ist nicht gesagt, dass ein Zahnarzt, der sich die Behandlung von Angstpatienten auf die Fahne geschrieben hat, automatisch die richtige Wahl sein muss. Auch bei einem ganz normalen Zahnarzt kann ein Angstpatient in den besten Händen sein. Der Betroffene sollte sich deshalb nicht nur von Beschreibungen und Empfehlungen leiten lassen, sondern auf sein eigenes Bauchgefühl hören. Merkmale dafür, dass der Angstpatient die richtige Wahl trifft, sind:

  • Als Angstpatient bekommt der Betroffene zeitnah einen Termin.
  • Bei seinem ersten Termin muss der Angstpatient nicht oder nur ganz kurz warten.
  • Der Zahnarzt drängt den Angstpatienten nicht zu einer Behandlung. Stattdessen nimmt er sich Zeit, erklärt dem Angstpatienten alles und lässt allein den Patienten darüber bestimmen, ob und was gemacht werden soll.
  • Der Zahnarzt informiert den Angstpatienten über die Möglichkeiten, seine Ängste zu lindern. Bei diesen Möglichkeiten kann es sich beispielsweise um spezielle Duftstoffe im Behandlungszimmer, eine Videobrille, beruhigende Musik über Kopfhörer, aber auch homöopathische Beruhigungsmittel oder eine Behandlung unter Vollnarkose handeln. Wichtig ist, dass der Zahnarzt zusammen mit dem Patienten individuelle Lösungen auswählt, die dem Betroffenen tatsächlich helfen.
  • Der Zahnarzt erklärt dem Patienten ruhig, welche Behandlungsmaßnahmen notwendig sind. Und er zeigt ihm auf, wie die Behandlung so gestaltet werden kann, dass sie für den Patienten bezahlbar bleibt.
  • Während einer Behandlung ist der Zahnarzt aufmerksam, hat seinen Patienten im Blick und bietet von sich aus immer mal wieder an, eine kleine Pause einzulegen.
  • Und: Der Angstpatient muss sich weder für den Zustand seiner Zähne noch für seine Angst schämen. Kein seriöser Zahnarzt und schon gar kein Zahnarzt, der Angstpatienten behandelt, wird schimpfen, entsetzt den Kopf schütteln, abfällige Bemerkungen machen, abschätzig schauen oder den Betroffenen auslachen. Ganz im Gegenteil wird er es mit Respekt und Wertschätzung honorieren, dass sich der Betroffene überwunden hat und zu ihm gekommen ist. Der Zahnarzt wird dem Betroffenen das Gefühl geben, dass er, sein Praxisteam und der Patient Verbündete sind, die gemeinsam die Zahngesundheit in Angriff nehmen.

Die Kontaktaufnahme

Natürlich kostet es viel Überwindung, zum Telefonhörer zu greifen und in einer Zahnarztpraxis anzurufen. Wenn es leicht wäre, wäre der Betroffene ja nicht in seine jetzige Situation geraten. Wenn der Leidensdruck so groß ist, dass es der Betroffene nicht mehr aushält, oder wenn er für sich soweit ist, dass er den nächsten Schritt wagen kann, wird es aber Zeit für eine erste Kontaktaufnahme.

Dazu sollte sich der Betroffene die Telefonnummer der Zahnarztpraxis, die er sich ausgesucht hat, zurechtlegen. Bei seinem Anruf sollte er dann auch direkt erklären, dass er ein Angstpatient ist, beispielsweise so: „Hallo, mein Name ist … Ich war seit längerer Zeit nicht mehr beim Zahnarzt und habe jetzt starke Schmerzen/größere Probleme.

Aber ich bin ein Angstpatient mit panischer Angst vorm Zahnarzt.“ Im Normalfall wird die Stimme am anderen Ende der Leitung ruhig, freundlich und verständnisvoll reagieren und den Patienten ermutigen. Sie wird ihm kurzfristig einen Termin anbieten, eventuell auch erst einmal nur zu einem Beratungsgespräch ohne Behandlung. Wird der Hinweis auf die Angst aber scheinbar überhört, sollte der Betroffene besser eine andere Zahnarztpraxis kontaktieren.

Übrigens: Wenn sich der Betroffene nicht zu einem Anruf überwinden kann, kann er sich auch per E-Mail an die Zahnarztpraxis wenden und sein Anliegen schildern. Eine Zahnarztpraxis mit Erfahrung im Umgang mit Angstpatienten wird ihm einfühlsam und ermutigend antworten.

 

Ein Wort zur Behandlung unter Vollnarkose

Einige Angstpatienten schrecken vor einer Behandlung unter Vollnarkose zurück. Sie befürchten, dass das Gefühl des Ausgeliefertseins dadurch nur noch zusätzlich verstärkt werde. Außerdem wird argumentiert, dass die Vollnarkose die Angst ja nicht nimmt, sondern nur vorübergehend ausschaltet.

Natürlich muss im Vorfeld genau abgeklärt werden, ob eine Vollnarkose möglich und sinnvoll ist. Heutzutage kann die Dosierung aber so präzise eingestellt werden, dass eine Vollnarkose aus medizinischer Sicht für die meisten Menschen unbedenklich ist. Der Betroffene wird dabei in eine Art Tiefschlaf versetzt und bekommt von der zahnärztlichen Behandlung nichts mit.

Und die Praxis zeigt, dass eine Behandlung unter Vollnarkose, im Fachjargon als ITN abgekürzt, vielen Angstpatienten dabei hilft, ihre Dentalphobie zu überwinden. Oft ist es nämlich so, dass sich ein Angstpatient nach einer Erstbehandlung unter ITN schon bei einer zweiten, weniger umfangreichen Behandlung mit einer nur noch lokalen Betäubung sicher fühlt.

Denn die erste Behandlung hat er erfolgreich überstanden und im Nachhinein war es gar nicht so schlimm. Also kann er beim nächsten Mal einen Schritt weiter gehen. In der Verhaltenstherapie wird dies als schrittweises Verlernen der Angst bezeichnet.

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Redakteure

Sabine Scheuerhagen, 52 Jahre, Inhaberin eines Beauty- Salons, Karina Michewski, 38 Jahre, Drogistin und Laura Bochte, 35 Jahre Beauty- und Wellnessfachkraft schreiben hier Wissenswertes, Anleitungen und Ratgeber zum Thema Kosmetik, Gesundheit und Wellness.

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